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IRIS 2010-1:1/25

Vereinigtes Königreich

Regierungskonsultationen zum Thema Produktplatzierung

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Tony Prosser

School of Law, University of Bristol

Das Ministerium für Kultur, Medien und Sport des Vereinigten Königreichs führt derzeit Konsultationen durch, die eine Änderung der Werberegelungen für Produktplatzierung in Fernsehprogrammen zum Gegenstand haben; nach Angaben des Ministeriums werde derzeit in Erwägung gezogen, Produktplatzierung im Fernsehen unter bestimmten Bedingungen zuzulassen. Bedenken gibt es jedoch hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Aspekte im Zusammenhang mit der Werbung für bestimmte Arten von Produkten.

Derzeit ist Produktplatzierung nach dem Ofcom-Broadcasting Code verboten. Dort ist festgelegt, dass eine „unangemessen herausragende Darstellung“ von Produkten oder Dienstleistungen in Sendungen nicht zulässig (Regel 10.4) und Produktplatzierung verboten ist (Regel 10.5). Bei den Konsultationen im Zusammenhang mit der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-Richtlinie) gab es seitens der kommerziellen Sender sehr unterschiedliche Einschätzungen der Bedeutung von Produktplatzierung, und die Regierung war zur Auffassung gelangt, dass keine entscheidenden Hinweise vorgetragen wurden, wonach der wirtschaftliche Nutzen der Produktplatzierung höher zu bewerten sei als die negativen Folgen im Hinblick auf die Qualität und das Niveau des britischen Fernsehens sowie auf das Vertrauen der Zuschauer in ihr Fernsehen. Jedoch ist auch deutlich geworden, dass die britischen Zuschauer eine Produktplatzierung in Filmen im Fernsehen sowie in ausländischen Programmen, insbesondere amerikanischen, durchaus hinnehmen. Weiter wurde argumentiert, dass die Regel, die eine „unangemessen herausragende Darstellung” nicht zulässt, beibehalten werden könne, um direktere und aufdringlichere Arten der Produktplatzierung zu verhindern.

Die Regierung bittet nun um Stellungnahmen zu eventuell notwendigen Schutzmaßnahmen, die über die in der AVMD-Richtlinie vorgesehenen hinausgehen; zum wirtschaftlichen Nutzen einer Zulassung von Produktplatzierung; zu den Programmarten, in denen eine Produktplatzierung erlaubt werden könnte, und ob diese Arten eingehender als in der Richtlinie definiert werden sollen. Sollte es beispielsweise ein Verbot von Produktplatzierung in Sendungen mit religiösem Inhalt, in den Nachrichten oder in Verbrauchersendungen geben? Sollte ein Verbot nicht nur für Kinderprogramme, sondern auch für alle Sendungen gelten, die einen unverhältnismäßig hohen Zuschaueranteil an Kindern haben? Weitere offene Punkte sind ein Verbot von Produktplatzierung in Verbindung mit Alkohol, fettreichen Lebensmitteln und Glücksspielen sowie die Frage, wie die Zuschauer auf die Produktplatzierung hingewiesen werden sollen.

Das Ministerium bittet um Stellungnahmen bis zum 8. Januar 2010.

Referenzen
Department for Culture, Media and Sport, ‘Consultation on Product Placement on Television’, November 2009 EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12131
 
  Ministerium für Kultur, Medien und Sport, Konsultationen zu Produktplatzierung im Fernsehen, November 2009