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IRIS 2010-1:Extra

Irland

Digitales Kino

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Marie McGonagle,

Faculty of Law, National University of Ireland, Galway

Dem Arts Council of Ireland (irischer Kunstrat) zufolge verfügt Irland anteilsmäßig über die meisten Kinogänger in der EU. Allerdings hat sich das Filmangebot in Irland bisher weitgehend auf kommerzielles Mainstream-Kino beschränkt. 2007 gab es in Irland nur 15 digitale Kinos. Im April 2008 wurde ein Bericht mit dem Titel „Digitales Kino in Irland - Überprüfung der derzeitigen Möglichkeiten“ veröffentlicht. Der Bericht war von dem Cultural Cinema Consortium (Konsortium für Kulturfilme), eine gemeinsame Initiative des irischen Kunstrats und des Irish Film Board, in Auftrag gegeben worden. Seither leitete das Konsortium ein Projekt in die Wege, das Programmkinos auf digitale Projektionstechnik umrüsten soll.

Laut dem Bericht bezieht sich der Begriff „digitales Kino“ auf Projektionssysteme, die genutzt werden können, um vor einem öffentlichen Publikum neue Kinofilme und Autorenfilme mit einer Qualität aufzuführen, die vergleichbar oder selbst besser ist als die der herkömmlichen 35 mm-Filme. Der Bericht legt die technischen und finanziellen Vorteile von digitalem Kino dar und erörtert die Optionen für Irland. Er führt an, dass selbst wenn die irische Privatfirma Digital Cinema Ltd. ihr Ziel erfüllt, 500 Kinos in Irland mit DCI-Standard-Projektionssystemen auszurüsten, immer noch eine Gruppe von Kinos übrig bleiben wird - darunter Kulturkinos, Kunstzentren und kleinere, wahrscheinlich geographisch abgelegene Aufführungsorte -, die dem Geschäftsmodell von DCL nicht entsprechen werden. Das Konsortium werde daher, so der Bericht, wahrscheinlich die Entwicklung von Methoden erwägen, die sicherstellen sollen, dass diese Kinos nicht „digital vernachlässigt“ werden und ihnen damit potenziell der Zugang zu einer Reihe von Filmen verwehrt wird, insbesondere zu Autorenfilmen unabhängiger Filmverleiher.

Zur Zeit der Veröffentlichung des Berichts war nicht klar, ob alle Kinos in Irland gewillt oder in der Lage sein würden, sich an der Maßnahme zu beteiligen. Hinzu kam, dass die Verleihfirmen und Aufführungsbetriebe Bedenken anmeldeten, weil ein einziges Unternehmen den gesamten irischen Kinosektor beherrschen würde. Dem Bericht zufolge sei es daher angemessen, die Möglichkeiten für Partnerschaften mit anderen Anbietern zu prüfen. Das Konsortium wird eventuell die Entwicklung eines Hilfsprogramms in Betracht ziehen, das strategisch wichtige Kulturkinobetreiber dazu anregen soll, mit den Entwicklungen in diesem Bereich Schritt zu halten. Zur Unterstützung des Digitalvertriebs irischer Filme könnte es außerdem Produzenten und Vertreiber, die öffentliche Mittel beziehen, als festen Bestandteil des Finanzierungsvertrags dazu zu verpflichten, ein angemessen formatiertes digitales Masterband zu liefern.

Digital Cinema Ltd (Irland) beabsichtigte, die meisten Kinos in Irland im Lauf des Jahres 2008 umzurüsten. Anderen Beispielen aus dem Vereinigten Königreich, Europa und den USA folgend, wählte die Firma zur Finanzierung der digitalen Umrüstung das VPF-Modell. Dabei wird bei jeder Ausstrahlung eines Digitalfilms in einem entsprechend umgerüsteten Kino ein Teil der durch den digitalen Vertrieb erzielten Einsparungen an den Umrüster abgeführt. Über mehrere Jahre hinweg decken diese Abgaben die Kapitalkosten für die Installation von digitalem Projektionsmaterial.

Die strategischen Ziele des Irish Film Boards für 2008 bis 2009 enthielten Verweise auf die digitale Umrüstung von Kinos sowie auf die zusammen mit dem Irish Film Institute (irischen Filminstitut) angestellten Überlegungen zur Digitalisierung des Film Board Katalogs im Archiv.

Die Begünstigten der Unterstützung in Höhe von insgesamt EUR 750,000 aus dem Digitalisierungsprogramm des Konsortiums für Kulturfilme wurden im Januar 2009 bekannt gegeben. Diese Unterstützung wurde für die Anschaffung und Einrichtung digitaler Projektionsausrüstungen an solche Kinos vergeben, die das ganze Jahr über ein kulturelles Kinoprogramm anbieten. Seither rüsteten eine Reihe von Kinos einige oder sämtliche Kinosäle digital auf. Im Dezember 2009 eröffnete in Dublin das erste nur für Digitalprojektion konzipierte Filmtheater Irlands. Die Umrüstung ist noch nicht komplett vollzogen, schreitet jedoch voran und wird in Kürze Gegenstand einer Zwischenbilanz sein.

Andere interessante Entwicklungen der Filmindustrie sind z. B. das Virtual Cinema-Programm für anspruchsvolle Kurzfilme, die sich für neue Formen des digitalen Videokonsums eignen, und der beabsichtigte Start eines irischen Film-Fernsehsenders in Übereinstimmung mit dem Rundfunkgesetz 2009 (siehe IRIS 2009-10:13/18).

Referenzen
Report: “Digital Cinema in Ireland - A Review of Current Possibilities” EN
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12284
 
  Bericht: „Digitales Kino in Irland - Überprüfung der derzeitigen Möglichkeiten“