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IRIS 2010-0:1/8

Europäische Kommission

Mitteilung über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für das europäische Kino

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Christina Angelopoulos

Institut für Informationsrecht (IViR), Universität Amsterdam

Am 24. September 2010 hat die Europäische Kommission eine neue Mitteilung über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für das europäische Kino veröffentlicht. Das Dokument befasst sich mit den neuen Fragen von politischer Relevanz, die durch die digitale Revolution für das europäische Kino aufgeworfen werden, und kündigt einen neuen Aktionsplan an, um die Kino-Digitalisierung in der EU zu fördern.

Das größte Hindernis für die Digitalisierung des europäischen Kinos sind die Kosten. So muss zum Beispiel der größte Teil der Investitionen in die Digitaltechnik von den Vorführunternehmen getragen werden, von den Einsparungen dagegen profitieren in erster Linie die Verleiher. Im Gegensatz zu Kinoketten und Multiplex-Kinos, für die die Kosten der Digitalisierung in der Regel verkraftbar sind, ist Digitaltechnik für kleinere unabhängige Kinos (häufig Arthouse-Kinos) nicht selten unbezahlbar. Für Europas sprachliche und kulturelle Vielfalt spielt der Erhalt seines einzigartigen Kinonetzes jedoch eine unverzichtbare Rolle. Wegen der unterschiedlichen Ansätze in der Filmvorführung in Europa kann es keine Einheitslösung für die Digitalisierung geben.

Daher sollte die Europäische Kommission vor allem in folgenden Bereichen eine wichtige Rolle spielen:

- bei der Überwachung der Einführung eines flexiblen und transparenten Standardisierungsprozesses, damit digitale Filmprojektionsstandards den unterschiedlichen Bedürfnissen europäischer Kinos Rechnung tragen;

- Rechtssicherheit bei staatlichen Beihilfen für die Digitalisierung von Kinos in Form klarer Beurteilungskriterien, damit die Mitgliedstaaten ihre Maßnahmen entsprechend entwickeln können;

- EU-Fördergelder für die Digitalisierung von Kinos, die europäische Filme zeigen oder wichtig für die regionale Entwicklung sind.

Die Kommission hat auch eine neue Strategie erarbeitet, die bis Ende 2012 umgesetzt werden soll. Im Einklang mit diesem Aktionsplan hat die Kommission 2010 eine Studie über die Kosten der Digitaltechnik in der EU in Auftrag gegeben. Ausgehend von den Ergebnissen dieser Studie will die Kommission eine neue MEDIA-Fördermaßnahme für die Digitalisierung von Kinos starten, die zu einem erheblichen Prozentsatz europäische (nicht einheimische) Filme zeigen. Das neue Digitalisierungsprojekt wird die Kinos direkt finanziell unterstützen und eine Reihe klar definierter Kosten für digitales Equipment in Form von Pauschalzuschüssen kofinanzieren. Bis 2012 will die Kommission auch eine Empfehlung zur Förderung der Digitalisierung europäischer Kinos verabschieden und außerdem geeignete Kriterien für die Beurteilung staatlicher Beihilfen für Digitalprojektion ausarbeiten.

Im September 2010 hat die Kommission darüber hinaus eine öffentliche Konsultation gestartet, um Daten für die nächste Runde des MEDIA-Programms nach 2013 zu erhalten.

Referenzen
Mitteilung über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung des europäischen Kinos, Brüssel, 24. September 2010, KOM(2010) 487 endg. DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12776
 
Öffentliche Anhörung zu den MEDIA-Programmen der EU der nächsten Generation