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IRIS 2010-0:1/13

Österreich

Neue Filmförderung in Österreich nimmt Tätigkeit auf

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Harald Karl

Pepelnik & Karl Rechtsanwälte, Wien

Das neue österreichische Filmfördermodell (siehe IRIS 2010-7: 1/5) nach dem Vorbild des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) hat unter der Bezeichnung FISA (Filmstandort Austria) seine Tätigkeit aufgenommen. Seit dem 16. August 2010 werden Anträge entgegengenommen, die auch online eingebracht werden können.

Bei der Antragstellung können nur Kosten berücksichtigt werden, die seit dem 1. Juli 2010 aufgelaufen sind. Die Abwicklung erfolgt über das Bundesministerium für Finanzen, das sich hierzu der Austrian Wirtschaftsservice GmbH (AWS) und der Location Austria bedient.

Das Antragstellungsverfahren verläuft zweistufig. In der ersten Phase von zwei Wochen erfolgt die grundsätzliche Prüfung der Zulässigkeit des Antrags inklusive allfälliger Verbesserungsaufträge. Hiernach folgt die eigentliche Prüfung. Diese umfasst insbesondere die Plausibilität der Angaben des Antragstellers, die Prüfung, ob der projektierte Film den Eigenschaftstest erfüllt sowie der Wirtschaftlichkeit und Förderfähigkeit. Bei Erfüllung der Kriterien gemäß der Förderrichtline erfolgt die Genehmigung durch das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend und die Information über die Entscheidung. Diese zweite Phase ist binnen sieben Wochen ab Vorliegen des vollständigen Antrags abzuschließen.

Das Modell der FISA folgt in seinen inhaltlichen Fördervoraussetzungen weitgehend dem Modell des DFFF. Es versteht sich ebenfalls als „Gap-Finanzierung“ für Projekte, deren Finanzierung im Übrigen abgeschlossen ist, für welche also ausreichende Finanzierungszusagen durch andere Fördergeber oder private Mittel gesichert sind, und das Budget vorliegt. Es soll damit als Wirtschaftsförderung dem Filmstandort Österreich und insbesondere auch Koproduktionen mit österreichischer Beteiligung und entsprechenden, in Österreich wirksam werdenden Ausgaben Auftrieb geben. Die geförderten Filme haben einen (relativ niederschwelligen) kulturellen Eigenschaftstest zu erfüllen. Eine inhaltliche Prüfung etwa durch eine Kommission erfolgt nicht. Budgetiert ist der Förderfond mit einem Volumen von EUR 5 Mio. für 2010 und jeweils EUR 7,5 Mio. für 2011 und 2012.

Gefördert werden österreichische Kinospiel- und -dokumentarfilme sowie österreichisch-ausländische Koproduktionen und Kofinanzierungen mit einem Mindestbudget von EUR 1 Mio. für Spielfilme oder EUR 200.000 für Dokumentarfilme und mit einer Mindestspiellänge von 79 Minuten (Kinderfilme 59 Minuten). Die Förderung wird nur gewährt, wenn 25 Prozent des Filmbudgets in Österreich anfallen. Bei Großproduktionen mit einem Budget von mehr als EUR 10 Mio. können es auch 20 Prozent sein. Bei den förderbaren Herstellungskosten sind grundsätzlich ausschließlich Kosten ansetzbar, die in Österreich wirksam werden. Die maximale Unterstützung für ein Einzelprojekt liegt bei 25 Prozent der förderbaren Herstellungskosten in Österreich, allerdings ist die Bemessungsgrundlage der förderbaren Kosten bei maximal 80 Prozent der Herstellungskosten gedeckelt. Antragsberechtigt sind grundsätzlich juristische Personen (Hersteller), welche ihren Sitz innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums haben und zumindest über eine Betriebsstätte oder eine Zweigniederlassung in Österreich und entsprechende Erfahrung verfügen. Die Auszahlung der Förderung erfolgt in drei Tranchen (je 40 Prozent bei Drehbeginn und Vorlage des Rohschnitts, 20 Prozent nach Vorlage des Schlusskostenstands).

Referenzen
Weitere Informationen: DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=12763