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IRIS 2007-2:8/11

Bosnien und Herzegowina

Änderungen am Regelwerk für Werbung und Sponsoring im Rundfunk

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Dusan Babic

Medien-Experte und Analyst, Sarajevo

Die für Rundfunk und Telekommunikation zuständige Regulierungsbehörde für Kommunikation (RAK) von Bosnien-Herzegowina hat gemäß Art. 39 Abs. 1 des Gesetzes über Kommunikation (Amtsblatt Nr. 31/03) Änderungen an den Richtlinien über Werbung und Sponsoring in Hörfunk und Fernsehen verabschiedet.

Gegenüber der Vorgängerversion enthält das neue Regelwerk einige bedeutende Änderungen in Bezug auf die Werbung für bestimmte Produkte und Dienstleistungen sowie zum Schutz Minderjähriger.

Das Regelwerk enthält ein strenges Verbot für Werbung und Teleshopping für Tabakprodukte sowie für rezeptpflichtige Medikamente und medizinische Behandlungen. Außerdem dürfen Menschen, die regelmäßig im Fernsehen auftreten, nicht in Werbe- oder Teleshoppingsendungen auftreten, weder in Bild noch in Ton.

Auch für Alkoholwerbung gelten sehr strenge Regelungen: Sie darf nicht speziell an Minderjährige gerichtet sein und darf insbesondere nicht mit dem Image werben, dass alkoholische Getränke die Gesundheit oder die soziale Stärke fördern.

Den geänderten Regeln zufolge darf die Gesamtsumme nicht mehr als 15 % der täglichen Sendezeit oder 20 % pro Stunde betragen. Somit sind also nicht mehr als 12 Minuten Werbung pro Stunde erlaubt. Für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter gilt eine Obergrenze von sechs Minuten Werbung pro Stunde.

Das neue Regelwerk enthält eine neue zeitliche Begrenzung für Werbung und Teleshopping für Produkte und Dienstleistungen. Bisher galt ein Zeitfenster von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr. Dieses Fenster wurde nun auf die Zeit von 24.00 Uhr bis 6.00 verkürzt. Der Grund hierfür war insbesondere der Schutz von Kindern. Grundsätzlich verbietet das Regelwerk Werbung, die den gesundheitlichen, geistigen oder moralischen Zustand oder die Entwicklung von Kindern gefährdet.

Bosnien-Herzegowina hat am 5. Januar 2005 das Europäische Übereinkommen über das grenzüberschreitende Fernsehen (Fernsehübereinkommen) ratifiziert, das am 1. Mai 2005 in Kraft trat. Daher ist das Fernsehübereinkommen direkt als Primärgesetzgebung in Bosnien-Herzegowina anwendbar. Obwohl Bosnien-Herzegowina noch kein EU-Mitgliedstaat, sondern lediglich ein potenzieller Beitrittskandidat ist, hat sich das Land verpflichtet, der EG-Fernsehrichtlinie zu entsprechen. Hauptgrund für die Änderung des Regelwerks ist daher die Harmonisierung mit den europäischen Medienstandards. Das neue Regelwerk über Werbung und Sponsoring im Rundfunk trat am 1. Januar 2007 in Kraft.