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IRIS 2005-6:8/12

Österreich

Call-in-Sendung im ORF unter Rechtfertigungsdruck

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Robert Rittler

Freshfields Bruckhaus Deringer, Wien

Der Österreichische Rundfunk (ORF) sendet derzeit viermal wöchentlich zu nächtlicher Stunde die Sendung „Quiz Express“. Dabei können Zuschauer durch Anrufe über eine Mehrwertnummer Geld- und Sachpreise gewinnen, wenn sie in die Sendung durchgestellt werden und Wissensfragen richtig beantworten. Die Anrufer werden nach dem Zufallsprinzip in die Sendung verbunden. Auch die Anrufer, die nicht ausgewählt wurden, müssen die Kosten für die Telefonverbindung und die Mehrwertnummer tragen.

Der Publikumsrat - das Organ des ORF, das die Interessen der Hörer und Seher wahren soll - richtete im März 2005 eine Empfehlung an die Geschäftsführung. Er forderte auf klarzulegen, welche Rolle kostenpflichtige Call-in-Sendungen in der Programmstrategie und in der kaufmännischen Strategie des ORF künftig spielen sollen, und öffentlich zu machen, welche Qualitätskriterien bei Call-in-Sendungen angewendet werden. Ebenso empfahl der Publikumsrat, in einer internationalen Vergleichsstudie den Umgang öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalter mit kostenpflichtigen Call-in-Sendungen zu untersuchen und die Sendung „Quiz Express“ bei Reduzierung der Verkaufsorientierung inhaltlich aufzuwerten.

Die Generaldirektorin des ORF rechtfertigte die Sendung mit dem Finanzbedarf des Senders, der sich nicht ausschließlich aus dem Programmentgelt finanzieren könne und dessen Werbemöglichkeiten beschränkt seien. Sie sah die rechtlichen Bestimmungen nicht als verletzt an. Der über Kabelnetze auch in Österreich empfangbare deutsche Sender RTL II stellte ein ähnliches Format kürzlich wegen Zuschauerbeschwerden wieder ein.