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IRIS 2005-10:12/22

Frankreich

Verurteilung von Canal Plus wegen Verwendung eines Konzepts für eine Sendung ohne Zustimmung der Autoren

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Philie Marcangelo-Leos

Légipresse

In einem Urteil vom 7. September 2005 verurteilte das Tribunal de grande instance von Paris den verschlüsselten Sender Canal Plus, die Produktionsgesellschaft 2P2L sowie die Journalistin Ruth Elkrief zu Schadensersatz in Höhe von EUR 150 000. Damit soll der Vermögensschaden ersetzt werden, den sie zwei Journalisten, den Urhebern eines neuen Konzepts für eine politische Sendung, zugefügt haben. Der Sender hatte diesen Entwurf in kaum veränderter Form und ohne Zustimmung der Autoren übernommen. Das Konzept für diese Sendung besteht in einer realistischen Krisensituation in Form einer fiktiven Reportage. Im Rahmen der Reportage werden Fachleute und Politiker mit einer entsprechenden Situation konfrontiert. Die Autoren legten dieses Konzept der Société des auteurs et compositeurs dramatiques (Verband der Schauspielautoren und -regisseure - SACD) und dann mehreren Produzenten und Sendegesellschaften, darunter Canal Plus, vor. Der Sender hatte schließlich beschlossen, die Verhandlungen einzustellen. Einige Monate später strahlte er im Abendprogramm eine neue politische Sendung aus, die von der Gesellschaft 2P2L produziert und von Ruth Elkrief, die als Co-Autorin bezeichnet wurde, präsentiert wurde. Der Richter suchte in den vorgelegten Unterlagen vergeblich nach Hinweisen auf die Fortentwicklung der Überlegungen zum Sendeprojekt durch Letztere. Der Richter urteilte daher, dass der Sender, die Produktionsgesellschaft sowie die Journalistin sich zivilrechtlich verantwortlich gemacht hätten, indem sie sich in voller Sachkenntnis das Sendeprojekt angeeignet und es in der Sendung unter dem Titel „C'est déjà demain“ ausgestrahlt hätten. Trotz einiger Änderungen scheine das in der Sendung „C'est déjà demain“ ausgestrahlte Konzept, so der Richter, das gleiche zu sein, wie das Konzept, das von den beiden Autoren der SACD vorgelegt worden war: „wenn man die Konzepte und nicht ein einzelnes Konzept für eine Sendung, so wie sie ausgestrahlt wurde, miteinander vergleicht“. Es könne schwerlich behauptet werden, dass ein Sendekonzept keinen wirtschaftlichen Wert habe. Zudem gelte, wenn man die Diskussion nicht mit dem Urheberrecht begründe, dass es nicht um die Bewertung der Originalität einer entsprechenden Sendung in Beziehung zu anderen französischen oder englischen vorausschauenden politischen Sendungen gehe.

Um die Schädigung der Autoren, die nicht mehr die Möglichkeit haben, dieses Sendekonzept einem anderen Sender vorzulegen, zu unterbinden, wurde den Beklagten untersagt, weitere Folgen dieser Serie zu verwenden bzw. auszustrahlen.

Der Veranstalter, die Produktionsgesellschaft sowie die Journalistin legten Berufung gegen das Urteil ein. Sie seien davon ausgegangen, dass die Sendung im Rahmen einer Ausschreibung des Senders entstanden sei. Zuu keinem Zeitpunkt hätten sie Kenntnis von den anderen dem Sender vorgelegten Projekten gehabt.

Referenzen
Tribunal de grande instance de Paris, 3e chambre, 7 septembre 2005, K. Saranga-Drai, G. Malaurie et SARL Saranga Production c/ SA Canal Plus, SARL Pourquoi pas la lune, R. Elkrief et J. Cazaumayou
  Tribunal de grande instance von Paris, 3. Kammer, 7. September 2005, K. Saranga-Drai, G. Malaurie und SARL Saranga Production gegen SA Canal Plus, SARL Pourquoi pas la lune, R. Elkrief und J. Cazaumayou