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IRIS 2004-2:10/21

Deutschland

Kritik an „Dschungel-Camp"

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Peter Strothmann

Institut für Europäisches Medienrecht (EMR), Saarbrücken/Brüssel

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hat sich am 27. Januar 2004 mit Fragen der Zulässigkeit einer sogenannten „ Survival-Show " (“Ich bin ein Star ­ Holt mich hier raus!") befasst, bei der "Prominente" in einem Urwald-Camp untergebracht wurden und bestimmte, unangenehme Aufgaben zu erfüllen hatten. Durch Zuschauervotum wurde ermittelt, wer das Camp verlassen musste und somit nicht mehr als Gewinner in Betracht kam. Die Landesmedienanstalten hatten bereits nach dem Sendestart der Show die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM, siehe IRIS 2002-9:15) um eine Prüfung der Sendung gebeten. Die KJM kam in ihrer Sitzung am 21. Januar 2004 zu dem Ergebnis, dass trotz inhaltlicher Bedenken die Sendung unter den Gesichtspunkten des Jugendmedienschutzes sowie unter dem Aspekt der Menschenwürde zwar bedenklich, jedoch rechtlich zulässig sei. Die DLM plädiert jedoch dafür, künftig die Selbstregulierungsorganisation Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF, siehe IRIS 2003-7:8) stärker in die Verantwortung zu nehmen. Die FSF solle nicht nur medienrechtliche Fragen im Sinne der vom Gesetzgeber intendierten regulierten Selbstkontrolle prüfen, sondern mit den Sendern auch solche der Programmethik diskutieren. Insbesondere vor dem Hintergrund bereits angekündigter ähnlicher Formate mahnt die DLM auch die gesellschaftliche Verantwortung der FSF an.

Referenzen
Pressemitteilung der DLM vom 27. Januar 2004 DE
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=8860