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IRIS 2003-1:9/18

Frankreich

Einreichen des Kriegel-Berichts über Gewalt im Fernsehen und Reaktion des Kulturministers

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Mathilde de Rocquigny

Légipresse

Im Anschluss an ein Interview einen Tag nach dem Mord an einer Gymnasiastin, zu dem der Täter angeblich von einem amerikanischen Horrofilm inspiriert worden war, hatte der französische Minister für Kultur und Kommunikation Jean-Jacques Aillagon letzten Sommer die Intellektuelle Blandine Kriegel damit beauftragt, einen Bericht über „den Einfluss von Gewalt im Fernsehen auf Öffentlichkeit und Jugend" zu verfassen. Dieser Bericht wurde dem Minister offiziell am 14. November vorgelegt. Der Bericht legt insbesondere nahe, das absolute Ausstrahlungsverbot von Bildern mit gewalttätigem Inhalt zwischen 6.30 und 22.00 Uhr zu verschärfen und die Abonnements für Pornodarstellungen oder -kanäle von den anderen Programm-Bouquets zu trennen.

Des Weiteren schlägt der Bericht vor, dass die Kommission für die Einstufung von Filmen neu organisiert werde, um ihre Rolle auf sämtliche Bildträger (DVD, Videokassetten, Videospiele usw.) auszuweiten. Dieser Vorschlag wurde vom Minister, der die Ansicht vertritt, dass diese Kommission Spielfilmen vorbehalten bleiben solle, nicht aufgegriffen. Er ließ jedoch verlauten, dass die Zusammensetzung der Kommission überdacht werden solle, und dass die Regierung in Bälde Vorschläge unterbreiten werde, um sowohl deren formellen Rahmen als auch die Regeln, die bestimmten Entscheidungen zugrunde lägen, zu verbessern, so etwa das Ausstrahlungsverbot von Filmen, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind. In diesem Sinne sagte er zu, sich mit dem französischen Familienminister Christian Jacob „besser abzustimmen". Die Vorschläge zielen jedoch nicht auf eine radikale Umorganisation der Kommission ab; der Minister hatte seine Befürwortung der derzeitigen Struktur deutlich gemacht.

Im Übrigen sollte die Nationalversammlung am 12. Dezember Änderungen mit Blick auf die Vorführungsfreigabe von Filmen in Erwägung ziehen, die in Zukunft nicht nur beim Minister für Kultur und Kommunikation - wie dies aktuell der Fall ist -, sondern auch beim Familienminister eingeholt werden sollte. Des Weiteren kündigte Kommunikationsminister Aillagon an, dass er in Kürze einen Gesetzesentwurf einreichen werde, um die Sanktionsbefugnisse des Rundfunk- und Fernsehrats CSA bei Programmen mit Gewaltszenen im Fernsehen zu verstärken.

Schließlich, auf Aufforderung des Kriegel-Berichts hin, wird sich Herr Aillagon mit dem Justizminister in Verbindung setzen, um Artikel L. 227-24 des Strafgesetzbuchs umzuschreiben, der „jedwede Aktivität des Transports, der Herstellung oder der Verbreitung einer Botschaft mit gewalttätigem oder pornografischem Inhalt, (...) falls diese Botschaft von Minderjährigen gesehen werden könnte" streng verurteilt. Damit soll die Anwendung des Artikels effizienter gestaltet werden. Der Minister greift auch den Vorschlag des Kriegel-Berichts auf, eine Kommission zur „Bewertung eines Einschleichens von Gewalt in Programme der Fernsehsender und des Einhaltens der Regeln" einzuberufen, die für den CSA tätig sein würde.

Seit sich der CSA zur Diskussion mit den Fernsehsendern, die ein „Sperr"-System einrichten könnten, um die Ausstrahlung von Pornofilmen für Jugendliche unzugänglich zu machen, bereit erklärt hat, legen die Herausgeber zahlreiche Projekte vor. Der Rundfunk- und Fernsehrat hat bekannt gegeben, dass er zurzeit ein technisches Gutachten über Maßnahmen für eine doppelte Verschlüsselung oder andere Zugangskontrollmechanismen durchführt, die die Diensteanbieter in den kommenden Wochen und Monaten einzurichten erwägen.

Referenzen
La violence à la télévision, rapport de Madame Blandine Kriegel à Monsieur Jean Jacques Aillagon, ministre de la Culture et de la Communication, 14 novembre 2002 FR
 http://merlin.obs.coe.int/redirect.php?id=1204
 
  Gewalt im Fernsehen, Bericht von Frau Blandine Kriegel für Herrn Jean-Jacques Aillagon, Minister für Kultur und Kommunikation, 14. November 2002