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IRIS 2003-1:7/13

Tschechische Republik

Digitales terrestrisches Fernsehen in der tschechischen Republik

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Jan Fučík

Rundfunkrat der Tschechische Republik

Im Dezember 2002 hat der Rundfunkrat die Versuchslizenzen der beiden Firmen Czech Digital Group, a.s., (CDG) und Ceské Radiokomunikace, a.s., die DVB-T in der tschechischen Republik versuchsweise einführen, verlängert.

Die beiden Firmen nahmen im Jahr 2000 den Sendebetrieb auf und sendeten auch 2001 im Raum Prag auf Kanal 46 und 25. Bei dem Versuch ging es vor allem um die Überprüfung der technischen Merkmale des Systems, insbesondere um verschiedene Methoden der Verschlüsselung und Fehlerkorrektur, die Reflexionsanfälligkeit und die Voraussetzungen für den Betrieb eines Gleichwellennetzes (SFN). Außerdem umfasste der Versuch auch die Übertragung von Datenkanälen, zum Beispiel Internet.

Im Rahmen des Versuchs wurden verschiedene Empfängertypen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften getestet. CDG führt den Versuchsbetrieb auf dem Fernsehkanal 46 durch und benutzt hierfür drei Sender mit einer effektiven Sendeleistung von 10 kW, 5 kW und 4 kW. Der Versuch hat folgende Ziele:

- technische Einrichtung eines Gleichwellennetzes (SFN),

- technische Erprobung, Feststellung der Eigenschaften und technischen Möglichkeiten,

- Vorbereitung des Netzes für den künftigen Dauerbetrieb (Fertigstellung mit Reserveelementen),

- technische und wirtschaftliche Prüfung der angebotenen technischen Dienste.

Im Jahr 2000 erstellte der Rundfunkrat auf Verlangen der Abgeordnetenkammer des tschechischen Parlaments ein Papier über das Konzept für den Wechsel zum digitalen Rundfunk in der Tschechischen Republik. Dieses Papier wurde vom Ständigen Ausschuss für Kommunikation bei dessen zwölfter Sitzung am 8. März 2001 verabschiedet. Gemäß Entschließung Nr. 44 soll eine Lizenz für Betreiber digitaler Multiplexe vom Rat vergeben werden. Zuvor muß dieser eine endgültige Entscheidung für die Multiplexstruktur getroffen haben und den Anteil der technischen Hilfsdienste festlegen, die örtlichen Gegebenheiten für die gesetzlichen Betreiber bestimmen, den Standort der bestehenden landesweiten analogen Rundfunksender spezifizieren, anhand von Lizenzverfahren über die Belegung freier Plätze entscheiden, Ausschreibungen angekündigen und einen geeigneten Bewerber für den Multiplexbetrieb wählen.

Mit Blick auf das obige Papier hat das Ministerium für Transport und Kommunikation in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium und dem Rat ein weiteres Papier mit dem Titel „Konzept für den Wechsel zum digitalen Audio- und Videorundfunk in der Tschechischen Republik" herausgegeben. Dieses Papier vervollständigt die vorhergehende Studie, die von der tschechischen Regierung am 9. Juli 2001 unter der Nr. 696/01 diskutiert und gebilligt wurde. Das Konzept enthält verschiedene wichtige Punkte:

- Verpflichtung der staatlichen Verwaltung, innerhalb des Frequenzspektrums für genügend Platz zu sorgen;

- Verpflichtung der staatlichen Verwaltung, für die Vervollständigung der geltenden Mediengesetze zu sorgen, damit Lizenzen an die Betreiber digitaler Multiplexe vergeben werden können und eine angemessene Beteiligung von Ceská televize (tschechisches Fernsehen) am digitalen Rundfunk gesichert ist;

- Verpflichtung der Regierung zur Novellierung des Rundfunkgesetzes Nr. 231/2001 Coll. und/oder anderer Gesetze;

- Garantierung von Plätzen für landesweite Rundfunkbetreiber innerhalb der ersten beiden Multiplexe;.

- Die Regulierung erfolgt durch zwei Behörden, nämlich durch den Rat im Bereich der digitalen Multiplexe und durch das tschechische Amt für Telekommunikation im Bereich der Telekommunikationsdienste und der Dienste, die mit der Verpflichtung verbunden sind, den digitalen Multiplexrundfunk und die Verwaltung des Frequenzspektrums sicherzustellen.

Nach dem oben genannten Regierungserlass hatte der Kulturminister - in Zusammenarbeit mit dem Minister für Transport und Kommunikation - ein Änderungsgesetz zum Rundfunkgesetz Nr. 231/2001 Coll. sowie Änderungen anderer Gesetze zu formulieren und bis zum 31. März 2002 der tschechischen Regierung vorzulegen. Der Kulturminister stellte für diese Aufgabe ein Team zusammen, das später mit dem vom Rat eingesetzten Team für ein Konzept für den digitalen Rundfunk (SDV) zusammengelegt wurde. Ein neues Kabinett hat jedoch die ursprüngliche digitale Gesetzgebung zugunsten eines neuen Gesetzes verworfen, das alle Kommunikationsplattformen abdecken soll. Dies hindert die Rundfunkveranstalter daran, ihre Pläne weiter umzusetzen, denn die Formulierung des neuen Gesetzes ist ein langwieriges Verfahren. Die Gesetzgebung über das digitale Fernsehen in der tschechischen Republik erlitt daher einen Rückschlag und wird nicht vor Ende 2003 fertiggestellt sein. Vor zwei Jahren begannen Czech Digital Group und Ceské Radiokomunikace mit Tests zur Ermittlung der digitalen Abdeckung. Nach Abschluss der Tests hofften die Veranstalter, mit interaktiven Fernsehangeboten (iTV) beginnen zu können, um ihre Investitionen wieder einzuspielen. Sie haben bereits mitgeteilt, dass die Verhinderung eines Sendebeginns Anfang 2003 weitere Verluste bedeutet. Beide Firmen bereiten weiterhin Dienste vor und haben eine Verlängerung ihrer Lizenzen beantragt, die nun genehmigt wurde.

Referenzen
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  Konzept für den Wechsel zum digitalen Audio- und Videorundfunk in der Tschechischen Republik, 9. Juli 2001