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IRIS 2001-1:13/28

Frankreich

Änderung der rechtlichen Bestimmungen bezüglich der Medienchronologie

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Amélie Blocman

Légipresse

Medienchronologie hat zum Zweck, eine Minimalfrist zwischen der Verbreitung eines filmischen Werks in den Filmtheatern und dessen Auswertung, insbesondere in Form von Video, festzusetzen. Gemäß Artikel 1 der Rechtsverordung vom 4. Januar 1983 kann demzufolge vor Ablauf eines Jahrs ab der Vergabe des visa d`exploitation (Vorführungsfreigabe) kein aktuell in den Kinos laufendes Filmwerk anderweitig ausgewertet werden, das betrifft die Auswertung in Form von anderen zum Verkauf oder Verleih bestimmten Bild- und Tonträgern für die private oder öffentliche Nutzung, und insbesodere in Form von Videokassetten oder -disks. Es wird eingeräumt, dass diese Vorschrifft auch Anwendung auf DVDs finden soll, die im Handel verfügbar sind. In der Praxis betrug diese Frist bisher neun Monate und konnte über einen Fachausschuss herabgesetzt werden, der je nachdem, ob das betreffende Werk Kassenschlager oder Kinoflop war, eine dementsprechende Entscheidung traf. Seit dem 1. Januar können Inhaber von Videoauswertungsrechten aufgrund der Rechtsverordnung vom 24. November 2000 nach Einholen einer Genehmigung von der Filmverleihstelle beim Centre national de la cinématographie (französische Filmförderungsanstalt - CNC) ein Herabsetzen der Frist auf sechs Monate bewirken.

Mit der Herabsetzung der Herausgabefrist für Videos und DVDs auf sechs Monate stellt sich Frankreich auf eine Stufe mit den anderen europäischen Ländern. Darüber hinaus vervollständigt die neue Rechtsverordnung Artikel 1 der Rechtsverordung vom 4. Januar 1983, indem sie festlegt: „Diese Bestimmungen sind anwendbar unabhängig von der Sprachfassung des Werks, das auf den Bild- und Tonträgern fixiert wurde." Konkret betrifft diese Aussage den Verkauf von Import-DVDs aus den USA oder Kanada (Zone 1), einschließlich der nicht untertitelten Originalfassung. Bisher herrschte diesbezüglich ein gesetzliches Vakuum, wodurch die Einfuhr nach und der Verkauf in Frankreich von nicht untertitelten aus Zone 1 stammenden DVDs rechtlich einwandfrei war, z.T. sogar bevor der entsprechende Film in den französischen Kinos anlief. Die Rechtsverordnung, die vorrangig die europäische Filmindustrie schützen soll, kann zweifellos ebensowenig den Verkauf von DVDs aus Zone 1 auf ausländischen Webseiten wie das Herunterladen von Filmen über das Internet verhindern.

Referenzen
Décret n° 2000-1137 du 24 novembre 2000 modifiant le décret n° 83-4 du 4 janvier 1983 portant application des dispositions de l'article 89 de la loi du 29 juillet 1982 sur la communication audiovisuelle, JO du 26 novembre 2000
  Rechtsverordnung Nr. 2000-1137 vom 24. November 2000 in Abänderung der Rechtsverordnung Nr. 83-4 vom 4. Januar 1983 in Anwendung des Artikel 89 des Gesetzes vom 29. Juli 1982 über die audiovisuelle Kommunikation, Amtsblatt vom 26. November 2000