OBS IRIS Merlin
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IRIS 1997-2:15/27

Vereinigte Staten

Audiovisuelle Wirtschaft kündigt Einstufungsschema an

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L. Fredrik Cederqvist

Communications Media Center at the New York Law School

Am 19. Dezember 1996 gab die audiovisuelle Wirtschaft der USA Pläne zur Einstufung von Fernsehprogrammen in sechs Kategorien bekannt. Diese Maßnahme ist die Folge des Zwangs zur Einführung des " V-Chips" nach dem Telekommunikationsgesetz von 1996, das die audiovisuelle Wirtschaft im wesentlichen vor die Wahl stellte, entweder selbst Normen zu verabschieden oder es der Federal Communications Commission (FCC) zu überlassen, hierzu einen Ausschuß zu bilden. Natürlich entschied sich die Wirtschaft für die Selbstkontrolle.

Folgende Kategorien wurden gebildet: (i) TV-Y (geeignet für alle Kinder), (ii) TV-Y7 (geeignet für Kinder ab 7 Jahre), (iii) TV-G (geeignet für alle Altersgruppen), (iv) TV-PG (elterliche Anleitung empfohlen - Material könnte für jüngere Kinder ungeeignet sein), (v) TV-14 (eindringliche Warnung der Eltern - Material könnte für Kinder unter 14 Jahre ungeeignet sein) und (vi) TV-M (nur für reife Zuschauer - Material könnte für Personen unter 17 Jahre ungeeignet sein). Alle Rundfunk- und Kabelnetze sollen die neuen Einstufungen bis Ende Januar 1997 einführen. Die jeweilige Einstufung soll am Beginn jeder Sendung 15 Sekunden lang in einer der oberen Ecken des Bildschirms eingeblendet werden. Nachrichtenund Sportsendungen sollen allerdings keine Einstufung erhalten.

Notwendig geworden waren die neuen Einstufungen, wie bereits erwähnt, aufgrund des am 8. Februar 1996 in Kraft getretene Telekommunikationsgesetzes von 1996 ( siehe IRIS 1996-3:7-10): Das Gesetz weist die FCC an, ein Beratungsgremium einzusetzen, das ein Einstufungssystem für Fernsehprogramme entwickelt, sofern die Wirtschaft nicht freiwillig ein Einstufungssystem einführt, das für die FCC akzeptabel ist.

Die Exekutive und die Legislative (die gemeinsam für die Verabschiedung des Gesetzes verantwortlich sind) haben gegensätzliche Meinungen darüber geäußert, ob die FCC den Vorschlag der Wirtschaft akzeptieren soll. Präsident Clinton setzte sich dafür ein, die neuen Einstufungen zehn Monate lang zu erproben und dann bei Bedarf zu ändern. Der Kongreßabgeordnete Ed Markey jedoch, der Chefarchitekt des gesetzlichen Zwangs zur Einführung eines Einstufungssystems, klagt, die neuen Einstufungen informierten die Eltern nicht darüber, was an einer Sendung genau zu beanstanden sein könne. Markey und viele Verbrauchergruppen geben einem Einstufungssystem den Vorzug, das mit Buchstaben wie V ( Violence), S (Sex) und L (Language) kenntlich macht, ob eine Sendung Gewalt, Sex oder nicht jugendfreie Sprache enthält.

Kritiker des Einstufungssystems der Wirtschaft tragen vor, daß die Einstufungen mit Absicht zweideutig gehalten sind, um die Werbeeinnahmen zu schützen, die verlorengingen, wenn Eltern genauere Informationen über den Inhalt des Programms hätten. Die Wirtschaft antwortet darauf, daß explizitere Kategorien entweder wegen der Menge der zu prüfenden Programme unpraktikabel oder wegen der Unmöglichkeit, das Ausmaß von Gewalt, Sex oder nicht jugendfreier Sprache in einem bestimmten Programm zu messen, ungenau wären. Die Wirtschaft hat davor gewarnt, daß eine Änderung ihres Einstufungssystems wegen Verletzung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung zu einer Verfassungsklage auf der Grundlage des First Amendment führen könne.

Von 1998 müssen alle Fernsehgeräte ab einer Bildschirmdiagonale von 13 Zoll (33 cm) mit einem " V-Chip" ausgestattet sein, mit dessen Hilfe Eltern das Gerät so programmieren können, daß Sendungen, die sie für ihre Kinder für ungeeignet halten, blockiert sind. Die bisherigen Versionen des V-Chips blockieren allerdings keine einzelnen Sendungen, sondern recht allgemeine Typen von Material mit bestimmten Einstufungen. Die geplanten Einstufungen könnten somit zu einem Mittel der Zensur breiter Programmkategorien werden. Während die Fernsehwirtschaft hofft, daß ihre Einstufungen genutzt werden, ist zu erwarten, daß viele Verbrauchergruppen fleißig daran arbeiten werden, die FCC zu überzeugen, daß explizitere Einstufungen nötig sind, damit Eltern die erforderlichen Informationen haben, um ihre Kinder zu schützen.