OBS IRIS Merlin
english francais deutsch

IRIS 1995-10:15/29

Frankreich

Informelle Besprechung CSA/Sendeunternehmen zur Berichterstattung über terroristische Akte

print add to caddie Word File PDF File

Bernhard Gemmel

Institut für Europäisches Medienrecht (EMR), Saarbrücken/Brüssel

Am 7. September 1995 fand in den Räumen der zentralen französischen Medienaufsichtsbehörde CSA (Conseil Supérieur de l'Audiovisuel) in Paris eine informelle Besprechung zur Berichterstattung über terroristische Akte in Radio- und Fernsehsendungen statt. Anläßlich der Welle terroristischer Attentate, die Frankreich seit dem Bombenanschlag vom 25. Juli 1995 in Atem hält, hatte der Präsident des CSA die verantwortlichen Redaktionsleiter der wichtigsten Sendeunternehmen des audiovisuellen Sektors zu dieser Unterredung geladen. Im Rahmen dieses Meinungsaustausches erinnerte er die versammelten Redaktionsleiter daran, daß dem CSA die Aufgabe obliege, eine wahrheitsgemäße Berichterstattung zu gewährleisten. Darüber hinaus forderte er die Sendervertreter zur höchstmöglichen Wachsamkeit auf, und hielt sie an, sich im Interesse der Allgemeinheit strikt an folgende Grundregeln der Berichterstattung zu halten: 1. Sorgfalt bei der Auswahl und Kennzeichnung der Informationen 2. Rücksichtnahme auf laufende Ermittlungen 3. Schutz der Opfer und Zeugen der Attentate 4. Vorrang der Objektivität der Berichterstattung vor Emotionalität 5. Angemessenheit des zeitlichen und räumlichen Umfangs der Berichterstattung im Verhältnis zu anderen Tagesnachrichten 6. Vermeidung von Ungenauigkeiten durch Reduzierung der Live-Berichterstattung.

Wesentliches Ziel dieser Grundregeln ist es, die durch die Vielzahl der terroristischen Akte stark verunsicherte Öffentlichkeit durch eine sachliche Berichterstattung über solche Anschläge zu unterrichten. Es soll somit ein Wettbewerb der einzelnen Sender um eine möglichst spektakuläre und dramatische Präsentation der Ereignisse verhindert werden, indem so weit wie möglich auf subjektive Nachrichtenelemente, wie zum Beispiel Augenzeugenberichte und Live-Schaltungen an den Ort des Anschlags, verzichtet wird. Auch soll der zeitliche und räumliche Umfang der Berichterstattung im Verhältnis zu anderen Tagesnachrichten gewahrt bleiben, damit die Urheber der terroristischen Akte aus ihren Straftaten keinen Gewinn, im Sinne einer überproportionalen Medienpräsenz , ziehen können.

Nicht zuletzt sollen Personen, die von den Anschlägen unmittelbar betroffen sind oder als Zeugen beteiligt waren, nicht durch Fernsehberichte bloßgestellt werden, da dies sowohl für ihre persönliche Sicherheit, als auch für die laufenden Ermittlungen gefährlich sein könnte.

In ersten schriftlichen Stellungnahmen begrüßten die verantwortlichen Redaktionsleiter die Initiative des CSA und bekundeten die Bereitschaft, ihre Berichterstattung an den Vorgaben der Behörde auszurichten.

Referenzen
Terrorisme et information: un échange de vues CSA/Diffueurs, La Lettre du CSA, Octobre 1995, n° 73 : 5-6.
  Informelle Besprechung CSA/Sendeunternehmen zur Berichterstattung über terroristische Akte. La Lettre du CSA, Oktober 1995, ns 73: 5 - 6.